Textatelier
BLOG vom: 22.09.2023

Kutschenmuseum in Wiechs ist ein Schmuckstück

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Doktorwagen 1910
 

Das Kutschenmuseum Hauri in Schopfheim-Wiechs ist ein echtes Schmuckstück mit seinen 26 historischen und restaurierten Kutschen und Schlitten. Zu sehen sind Glas-Landauer, Reitschlitten, Doktorwagen, Jagdwagen und eine Feldküche vom Schweizer Militär.

Die Besucher sind überwältigt, wenn sie in der rustikalen Scheune auf über 300 Quadratmeter die historischen Kutschen und Schlitten sehen. Die beachtliche Sammlung haben wir der Leidenschaft von Reinhard Hauri, Wiechser Bürger, Koch, Gastronom und Unternehmer zu verdanken. Innerhalb von 45 Jahren hat er die bis zu 130 Jahre alten 26 Kutschen erworben und die meisten auch restauriert. Weitere 12 Kutschen warten noch auf eine Sanierung. Während eines Rundgangs, an der auch der Schweizer A. W. Müller von pro Sana von Reinach (www.prosana.ch) teilnahm, bekamen wir durch Reinhard Hauri viel Wissen vermittelt und so manche spannenden Geschichten aus der Vergangenheit zu hören. So waren Pferdekutschen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts das Reisemittel für Überlandreisen. Dann wurden sie von Autos, Bussen und Lastwagen verdrängt.

 


Reinhard Hauri am Glas-Landauer
 

Prächtiger Glas-Landauer
Die wohl schönste Kutsche im Museum ist der Glas-Landauer. Dieser wurde in Polen restauriert, das Baujahr ist unbekannt. Das Vorderteil des Daches mit den Fenstern kann man unter dem Kutschbock versenken, den hinteren Teil aus Leder wird zurückgeklappt. Der Wagen ist verkehrstüchtig. Die erste Ausfahrt hat Reinhard Hauri mit Frau und Kindern nach Schopfheim unternommen, die Mädels mit Bollenhut und die Jungs mit Zylinder. Der Landauer bietet mehreren Fahrgästen Platz und ist mit Kutscher und Beikutscher zu fahren.

Im Museum ist auch ein Kleiner Schweizer Jagdwagen von 1905 zu sehen. „Diesen bekam ich von einer netten Schweizerin aus Magden“, berichtete Hauri. Interessant ist der Doktorwagen, Baujahr 1910. Der Wagen wurde von Landärzten benutzt, um in die Dörfer und abgelegene Höfe zu fahren.

Ausgestellt ist ein Bestattungswagen von Wiechs. „Meine Großmutter Babette Hauri war die letzte Verstorbene, die 1958 mit diesem Wagen zum Friedhof gefahren wurde.“

Strafzettel von 1895
Eine Kuriosität ist ein Strafzettel von 1895 im Museum. Dieser wurde nicht wegen schnellem Fahren mit einer Kutsche, sondern mit einem Benz-Motor-Pferd ausgestellt. Das Badische Bezirksamt Waldkirch schrieb: „Am gestrigen Sonntag fuhren Sie mit einer derartigen Geschwindigkeit durch Denzlingen, dass in einer Wirtschaft die Vorhänge geflattert haben.“ Der Fahrer wurde mit 3 Mark bestraft.

 


Feldküche vom Schweizer Militär
 

Schlitten und ein Gäuwagen
Interessant und ungewöhnlich ist eine Kutsche mit einer Feldküche vom Schweizer Militär. Sie ist bis aufs kleinste Detail noch voll ausgerüstet und für die beliebten Waldevents noch immer im Einsatz. Das Museum bietet noch viel mehr. So ein Schwarzwälder Reitschlitten und ein 130 Jahre alter Pferdeschlitten mit einem Schwan im vorderen Teil. Der majestätische weiße Schwan ist ein Blickfang und dürfte viel Aufmerksam erfahren haben. Der Schwanen-Schlitten hat hinten einen Lakeiensitz (Notsitz) und es können 2 Personen Platz nehmen. Gutsbesitzer Flum fuhr mit diesem Gefährt von Wiechs zur katholischen Kirche in Schopfheim. Solche oder ähnliche einspännige Schlitten waren früher im Winter oft das einzige Fortbewegungsmittel Der Schlitten wurde im Eingangsbereich der Wirtschaft aufgestellt und es gab einen unerfreulichen Vorfall. Ein Dieb klaute den Hermelinpelz und eine alte Laterne vom Gefährt.

Ein weiter Höhepunkt ist ein Gäuwagen (Baujahr 1900). Der Wagen stammte von einer Diskothek aus Murg. Er war mit hunderten Lämpchen in allen Farben geschmückt, wie eine Barbi-Kutsche. Dieser Wagen wurde in den Bergen auf schmalen Straßen gerne gefahren, wegen des engen Radstands. Der Krone-Wirt wird diese Kutsche bald renovieren.

Auf die Frage, welche Hobbys er frönt, zählte Reinhard Hauri einige auf: Er kocht gerne, liebt Pferde, arbeitet im eigenen Wald und unternimmt mit Kutschen und seinen Pferden Ausflugsfahrten mit Gästen und Enkeln.

Er nimmt auch gerne Kontakt mit anderen Kutschen-Fans und Kutschenmuseen in der Schweiz (Kutschenwelt Basel) und in Deutschland (Mecklenburgische Kutschenmuseum) auf. Ab und zu kommen sogar Besucher aus der Schweiz mit ihren Pferdekutschen zu Reinhard Hauri in Wiechs.

Das Kutschen-Museums in Schopfheim-Wiechs, am Rain 6, ist während der Öffnungszeiten des „Hotel Restaurants Krone Hauri GmbH“ bei freiem Eintritt geöffnet.

Anmeldung zu Führungen und Events: Telefon: +49-(0)7622-3994-0

 

Infos im Internet
www.krone-wiechs.de 
www.kutschenmuseum-mv.de
hü-kutschen-welt.ch
www.prosana.ch

 

Hinweis auf weitere Blogs von Scholz Heinz
Faszination von Fotos bei Regen
Maiglöckchen: Wunderschön, aber giftig für Mensch und Tier
Auf Pilzpirsch: Essbare von giftigen Pilzen erkennen
Ein bärenstarkes Museum in Gersbach
Barfuss über die Alpen
Foto-Blog: Auf geht`s zur Hohen Möhr
Foto-Blog: Vom Kleinen Rhein zum Altrhein
Fotoblog über den Schönauer Philosophenweg
Rote Bete (Rande), eines der gesündesten Gemüse
Hermann-Löns-Grab im Wacholderhain
Lüneburger Heide: Salzsau und Heidschnucken
Kutschenmuseum in Wiechs ist ein Schmuckstück
Canna verleihen einen Hauch karibisches Flair
Artenreiche Streuobstwiesen stark gefährdet
Liebe zu den Kräutern in die Wiege gelegt