Textatelier
BLOG vom: 19.05.2023

Rätsel um die Russenbänke in Präg gelöst

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Blick auf Präg
 

Anlässlich einer Wanderung, die der ehemalige Gymnasiallehrer von Schönau und Schopfheim, Christian Wirth führte, sahen wir nicht nur eine grandiose Landschaft mit besonderen Tieren und Pflanzengesellschaften, sondern auch zwei Ruhebänke, die von Russen gestiftet wurden. Darüber wollte auch die Redaktion der „Badischen Zeitung“ von mir als freier Mitarbeiter etwas wissen. Ich ging auf Spurensuche und konnte nach umfangreichen Recherchen das Rätsel lösen. Zunächst wird etwas über die schöne Landschaft und Besonderheiten am Wegesrand berichtet.

 


Russenbank
 

Sechs Gletscher formten den Kessel
Die letzte Eiszeit (Würmeiszeit) hat viele Spuren hinterlassen, besonders im Gletscherkessel Präg im Oberen Wiesental. Hier flossen einst sechs Einzelgletscher zusammen. Der südlich des Feldbergs und östlich des Belchens gelegene Gletscherkessel zählt zu den schönsten Gebieten des Hochschwarzwaldes. Es ist eine reizvolle Bergweide- und Waldlandschaft.  Auf einer Höhe von 705 m ü. d. M. liegt Präg im Gletscherkessel. Präg ist Ortsteil von Todtnau.

Seit dem Mittelalter werden die teilweise extremen Hänge beweidet. Die Weiden sind für Hinterwälder Rinder von Bedeutung. Mit einer Schulterhöhe von 120 cm ist es die kleinste Rinderart Europas. Aufgrund eines geringen Körpergewichts (ca. 420 kg) erzeugen diese kaum Trittspuren. Das feinfaserige Fleisch war schon lange bei Feinschmeckern in Basel und Paris gefragt.

 


Prächtiges Schild auf dem Schweinebuck
 

Herrliches Wandergebiet
Wer im Naturschutzgebiet Präger Gletscherkessel wandert, wird über die prächtige Landschaft nur so stauen. Unsere Tour begann am Hinter-Wildbodenbächle und wir setzen den Weg bis zum Wegepunkt Ellenbogen fort. Dann ging es rechts davon an einer prächtigen über 100 Jahre alten Weidbuche vorbei und auf steilen und manchmal schmalen Pfaden zur Anhöhe des Schweinebucks (900 m ü.M.).  Der Name leitet sich vom mitteldeutschen „swenden“ ab, so bezeichnete man früher das Roden von Waldflächen, um Weiden zu schaffen. Auf dem Wanderweg wird es keinem langweilig. Auf 5 Tafeln sind Informationen über Landschaft, Tiere und Pflanzen zu lesen. So gedeihen hier oben Arnika, Flügelginster, Silberdistel und verschiedene Orchideenarten. Eine Rarität ist die vom Aussterben bedrohte Zippammer, die hier sich noch wohlfühlt. Die Tafeln wurden im Rahmen des Naturschutzgroßprojekts „Feldberg-Belchen-Oberes Wiesental“ angefertigt. Auf der Anhöhe des Schweinebucks neben einer sehr schön gestalteten großen Übersichtstafel mit der Aufschrift „Naturschutzgebiet Gletscherkessel Präg“ konnten wir uns auf der „Russenbank“ niederlassen und den herrlichen Blick auf das Naturschutzgebiert Gletscherkessel Präg genießen. Nach der Tour zurück ins Tal war etwas Ruhe auf der „Zarenbank“ angesagt. Wanderer rätselten, aus welchem Anlass die Bänke gestiftet wurden. Es kam die Vermutung auf, dass diese von Russen, die als Geschäftsleute oder Touristen hier zu Gast waren, aus Dankbarkeit für die Gastfreundschaft und von  Wanderführungen, aufstellen ließen. Falsch gedacht, wie wir sehen werden.

 


Präg Gletscherzusammenflüsse
 

Nicht von Russen gestiftet
Christian Asal, stellvertretender Ortsvorsteher von Präg-Herrenschwand erklärte, die Bänke wurden nicht von russischen Staatsangehörigen gestiftet, sondern von Bewohnern eines Ortsteils. So gibt es in Präg die „Schweiz“ mit den Häusern um das Gasthaus Hirschen, die „City“ im Bereich des ehemaligen Rathauses, der Kirche und der alten Schule. Danach kommt das „Mitteldorf“ im Bereich des Gemeindehauses. Die letzten 16 Häuser, die in Richtung Todtmoos stehen, befinden sich in „Russland“.

„Alle drei Jahre organisiert ein Ortsteil ein Fest für alle Präger Dorfbewohner. Der Erlös wird vollständig gemeinnützig verwendet oder gezielt gespendet. 2014 haben die Dorfbewohner von `Russland` aus dem Erlös die Bänke gestiftet“, erklärte Christian Asal der BZ.

Anmerkung: Mein Dank geht an Christian Asal, der mir wertvolle Infos übermittelt hat.

 

Infos:
https://www.schwarzwaldfuehrer.de/hochschwarzwald/ferienorte/todtnau-praeg.html
https://www.schwarzwald-geniessen.de/de/orte/Todtnau+-+Pr%E4g

 

Hinweis auf weitere Blogs von Scholz Heinz
Weidbuchen sind bizarre Schönheiten
Kurioses und Witziges von der Fussball-EM
Faszination von Fotos bei Regen
Maiglöckchen: Wunderschön, aber giftig für Mensch und Tier
Auf Pilzpirsch: Essbare von giftigen Pilzen erkennen
Ein bärenstarkes Museum in Gersbach
Barfuss über die Alpen
Foto-Blog: Auf geht`s zur Hohen Möhr
Foto-Blog: Vom Kleinen Rhein zum Altrhein
Fotoblog über den Schönauer Philosophenweg
Rote Bete (Rande), eines der gesündesten Gemüse
Hermann-Löns-Grab im Wacholderhain
Lüneburger Heide: Salzsau und Heidschnucken
Kutschenmuseum in Wiechs ist ein Schmuckstück
Canna verleihen einen Hauch karibisches Flair