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BLOG vom 20.11.2017
Gedanken über Medien, Fakten, Manipulation und Meinungsmache

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland


Wenn ich die Tagesschau, die Tagesthemen, die Nachrichten, Meldungen des Tages und Neuigkeiten höre und sehe, möchte ich über Fakten informiert werden. Was ist wann, wo, wie passiert? Wie viele Menschen waren betroffen? Welche Auswirkungen entstehen daraus? Wie muss ich mich persönlich dazu verhalten? Wo muss ich Vorsicht walten lassen, was muss ich vermeiden oder tun? Soll ich mich da-nach-richten, daran orientierenoder soll ich richten?

Und was bekomme ich zu hören?
Wörter wie:
- vermutlich, möglicherweise, anzunehmen ist, dass; in etwa; es könnte sein, dass, voraussichtlich; zukünftig wird es so sein, dass.
„Unsere Korrespondentin berichtet aus ...“, obwohl das Geschehen 2000 km entfernt abgelaufen ist. Und sie wird gefragt: „Wie ist deine/Ihre Einschätzung? Wie reagieren ‘die Leute’?“

Dann werden einzelne Personen auf der Strasse interviewt. Als ob deren Meinungen allumfassend und relevant seien.

Das alles wird als Wahrheit vermittelt. Dabei ist längst klar, dass alle ihre ganz eigene Wahrheit vertreten.

Da werden Behauptungen aufgestellt, die aus Geschehnissen interpretiert werden.

Fragen Sie einmal Personen, die Zeugen eines Geschehens waren, nach Einzelheiten! Jede hat etwas anderes gesehen, jeder war etwas anderes aufgefallen.

Und ich möchte umfassend informiert werden. Wer? Was? Wie? Warum? Wo?
Ich frage mich, welche Ereignisse, welche Abläufe, welche Taten werden ‘unter den Teppich gekehrt’? Aus welchen Gründen wird darüber nicht berichtet?

Was stimmt nicht? Welche Stimmungsmache wird erzeugt? Welche Vorurteile werden erzeugt, verstärkt, weiter entwickelt?

Was wird damit bezweckt, über das eine lang und breit und über das andere nur verkürzt zu berichten, oder überhaupt nicht?

Was für den einen relevant ist, ist es für den anderen nicht - und umgekehrt!

Wie unabhängig sind die Medien? Wird versucht zu manipulieren? Wer versucht das? Stehen politische, wirtschaftliche Interessen dahinter? Soll Meinungsmache hervorgerufen werden?

Welche Wörter werden benutzt? Welche Metaphern? Welche Redewendungen? Interpretiere  ich sie anders als andere?

Wie werden Begriffe, wie beispielsweise ‘das Völkerrecht’, eingesetzt? Wenn die USA in den Irak einmarschiert, wenn die Militärs mit Drohnen Menschen jagen, ist das dann kein Bruch des Völkerrechts? Aber die Übernahme der Krim nach einer Volksabstimmung durch Russland doch?

Der Feind steht im Osten. So war es seit den Zeiten des Kalten Krieges. So soll es wieder sein. Wird suggeriert, ohne Feindbild dürfen/können/sollen wir nicht leben?

Was ist wichtiger? Wirtschaftliche Interessen, etwa der Export von Militärgütern, oder das Vermeiden von so genannten Stellvertreterkriegen? Kann eine Bevölkerung stellvertretend leiden? Oder leiden die Menschen doch ganz real, unschuldig?

Darf ein Land seine Vorstellungen von Demokratie einem anderen Land aufzwingen? Darf ein Land sich in innerstaatliche Konflikte auf eine Seite schlagen und diese finanziell und mit Waffen unterstützen? Steht das unter dem Mandat des Völkerrechts?

Kulturen haben sich überall anderes entwickelt, Weltanschauungen sind unterschiedlich. Wer darf sich das Recht herausnehmen, die eigene höher, wertvoller, richtiger, wichtiger einzuschätzen als die anderer Völker?

Ich höre den Nachrichten zu und alle diese Fragen sind in meinem Kopf. Es bleibt der Zweifel und die Skepsis der Glaubwürdigkeit, die Frage, ob manipuliert wird, ob nicht in 1-2 Wochen oder später diese Darstellung widerrufen wird.

Ich bin vorsichtig geworden. Es ist einfach, nach den Medienberichten die Staatsführer
Putin, Trump, Kim Jong-un und andere zu belächeln, sie zu verurteilen, ihnen Attribute zu zuschreiben. Sind das dann Fakten oder Vorurteile?

Was ist richtig daran, was entspricht den Tatsachen? Was darf/kann ich für wahr halten?

Medien nehmen für sich in Anspruch, umfassend zu informieren. Medien lenken, Medien manipulieren, Medien benutzen bestimmte Wörter, die unterschiedlich verstanden und interpretiert werden, Medien lassen Meldungen aus, Medien machen Meinungsbildung.
Nur mit BILD kann ich mir keine Meinung bilden oder nur eine, die gewünscht ist! (Und mich fragen lässt, durch wen?)

Lasst uns selbst denken! Gebt uns Alternativen der Beurteilung der Ereignisse, zeigt andere Begründungen auf! Präsentiert keine Ergebnisse, wenn die Fakten nicht ausreichen! Vermeidet den Konjunktiv und Wörter wie: könnte, dürfte, sollte, möglicherweise, annähernd, vermutlich, wenn keine anderen Sichtweisen aufgezeigt werden. Sprecht aus, dass etwas noch längst nicht klar und deutlich ist, dass man das Geschehen auch anders werten kann.
Lasst weg, Meinungen, Auffassungen und Gefühle in andere Personen hinein zu interpretieren, wenn sie nicht klar und deutlich von ihnen formuliert wurden. Denn alles fliesst, nichts ist fest, alles verändert sich, täglich, stündlich, nichts kann endgültig sein!

Denn alles hat mehrere Seiten, nicht nur die eine, die artikuliert wird.

 


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